KI als Ende der Menschheit?
KI wird nicht das Ende der Menschheit bedeuten. Das Ende der Menschheit ist im Menschen selbst begründet. Ob KI einen Beitrag zu diesem Ende leisten wird, bleibt abzuwarten; den ausschlaggebenden Impuls wird sie vermutlich nicht geben.
Betrachtet man die menschliche Geschichte, so war diese stets von Expansion und Zerstörung geprägt. Die menschliche Spezies hat sich nicht nur des Planeten bemächtigt, sondern ist mit ihrer ausbeuterischen Art dazu übergegangen, diesen systematisch zu zerstören. Längst wurden Techniken entwickelt, wie etwa nukleare Waffen, die in der Lage wären, die Menschheit ein für alle Mal auszulöschen. Es muss jedoch nicht so brachial sein, es geht auch subtiler: Der anthropogene Klimawandel birgt absolut das Potenzial, alles menschliche Leben auf diesem Planeten irgendwann zu beenden.
Die Ängste, KI würde sich der Menschheit bemächtigen, sind weit hergeholt. Bilder von Roboterarmeen, die den Menschen nach dem Leben trachten, sind eher Fantasien aus Hollywood-Produktionen. Vielleicht kommt es irgendwann so weit, dass Systeme, die sich selbst programmieren können, gegen die Erschaffenden vorgehen. Doch die wirklichen Gefahren, die von digitalen Maschinen ausgehen, sind anderer Natur – und sie wirken schon seit Jahrzehnten.
Durch die Digitalisierung hat die Menschheit den Geist bereits aus der Flasche gelassen. KI bedeutet zwar einen Quantensprung in der Nutzung digitaler Möglichkeiten, sie ist jedoch die logische Konsequenz einer unaufhaltbaren Entwicklung. Viele Menschen sind durch die Folgen dieser Transformation überfordert. Die ausgelöste Daten- und Informationsflut lässt eine Kontrolle dessen, was wahr oder falsch ist, kaum noch zu. Es fällt zunehmend schwerer, Zusammenhänge herzustellen und das, was auf die Netzhaut geliefert wird, richtig einzuordnen.
Die Algorithmen von Social-Media- und News-Plattformen sind auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet. Onlinezeit und Klicks zählen; Wissen und Fakten sind sekundär. Dies führt dazu, dass Negativmeldungen überproportional kolportiert werden, was zu einer verzerrten Wahrnehmung führt. Ängste werden geschürt, Hass und Hetze florieren, die Gesellschaft wird gespalten. Die Folgen lassen sich in der aktuellen geopolitischen Situation ablesen: Populist*innen haben leichtes Spiel, beeinflussen mithilfe von Algorithmen Meinungen und gewinnen so Wahlen.
Man sieht also: Die Gefahr, dass Menschen sich gegenseitig zerstören, ist momentan um einiges wahrscheinlicher, als dass eine KI uns den Garaus macht. Es scheint fast so, als müssten wir uns vor der „Dummheit der Nutzenden“ weitaus mehr fürchten als vor der „Intelligenz der Maschine“. Vielleicht kann KI hier jedoch eine paradoxe Rolle einnehmen und jenen helfen, die zweifeln oder nicht über das notwendige Wissen verfügen, um die beschriebenen Mechanismen zu durchschauen – sofern sie als Werkzeug zur Aufklärung und nicht zur Manipulation eingesetzt wird.
Interessanterweise stoßen sich Menschen weniger an Religionen, deren Prophezeiungen nach eine höhere Macht irgendwann die Menschheit bis auf wenige Auserkorene auslöschen wird. Wenn sich KI in diesem Tempo weiterentwickelt, wird sie diese „höhere Macht“ sein. Es fragt sich nur, wer dann die Auserkorenen sein werden.