Warum ich nicht dem Mainstream hinterherhechle

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Warum ich nicht dem Mainstream hinterherhechle

Ich baue Apps mit Vibe Coding, erstelle Webseiten mit Plugins, arbeite mit Agenten, mit Sprachmodellen ohnehin, und ich habe Spezialisten als Partner, die KI-Tools perfekt implementieren können. Entsprechend werde ich immer wieder gefragt, warum ich mein Geld nicht primär mit genau solchen Angeboten verdiene. Etwa, indem ich Menschen und Unternehmen zeige, wie man diese Werkzeuge nutzt.

Es gibt drei Gründe, weshalb das nicht mein Ding ist.

Der erste: Die sogenannten KI-Experten schiessen gerade wie Pilze aus dem Boden. Eine eigene, unterscheidbare Position in diesem Feld zu finden, wird zunehmend schwierig.

Der zweite: Was bringe ich Menschen bei, wenn sich die Technik schon während des Unterrichts wieder verändert? Nachhaltig kann das nicht sein, und auf kurzfristige Erfolge bin ich nicht aus.

Der dritte Grund ist der wichtigste. Je nach Studie sind im vergangenen Jahr zwischen 60 und 95 Prozent aller KI-Piloten gescheitert oder haben nicht die erhofften Effekte gebracht. Die meistzitierte Zahl stammt aus der MIT-Studie «The GenAI Divide: State of AI in Business 2025»: 95 Prozent der Piloten lieferten keinen messbaren Effekt auf das Geschäftsergebnis, nur 5 Prozent schufen echten Wert. Unternehmen, die Menschen zugunsten von KI entlassen hatten, stellen inzwischen wieder ein. Was also sollte mich veranlassen, ein totes Pferd zu reiten?

Als sich im letzten Quartal des vergangenen Jahres abzeichnete, dass die erhofften Effekte ausblieben, habe ich mir natürlich Gedanken über die Ursachen gemacht. Denn auch ich hatte noch vor einem Jahr geglaubt, eine Automatisierungswelle werde durchs Land fegen, mit allen Folgen für die Effizienz. Pustekuchen.

Gründe für das Ausbleiben des Erfolgs gibt es einige. KI wurde oft auf veraltete, ineffiziente digitale Strukturen aufgesetzt; es scheiterte also an der Infrastruktur. Weit häufiger aber wurde KI auf schlechte Prozesse draufgesetzt. Viele dieser Prozesse waren Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Sie waren im Industriezeitalter entstanden und wurden zu Beginn der Digitalisierung einfach übernommen, ohne sie zu hinterfragen, ohne zu prüfen, ob sie in einer digitalen Welt überhaupt noch eine Berechtigung haben. Auf diese schlechten Prozesse setzte man nun, als Kirsche auf der Torte, noch eine KI. Die Torte allerdings war kein Kuchen aus Mehl und Zucker, sondern, bildlich gesprochen, ein Kuhfladen.

Und dann ist da der in meinen Augen allerwichtigste Grund: Man hat die Menschen, die Belegschaften, nicht mitgenommen. Wenn es um KI ging, wurde das Thema oft an IT-Abteilungen oder externe Firmen ausgelagert. Dabei ist KI ein Führungsthema. Es geht schliesslich um Jobs, um die Existenz von Menschen, die in Unternehmen arbeiten. Mitarbeitende weigern sich, mit einer Technik zu kooperieren, die ihnen morgen schon den Job kosten könnte. Wer die Ängste der Menschen nicht adressiert und keine Sicherheiten bietet, agiert auf verlorenem Posten.

Bemerkenswert ist, dass dieselbe MIT-Studie genau hier landet. Ihre Hauptursache für das Scheitern ist nicht die Technik, sondern die organisatorische Lücke: die Unfähigkeit, KI in Arbeitsabläufe, Strukturen und Kulturen zu integrieren. Die menschliche Komponente also. Die renommierteste Untersuchung zum Thema kommt damit zum selben Schluss, den ich aus der Praxis kenne.

Wenn ein Unternehmen mit dem Wunsch nach Unterstützung bei KI auf mich zukommt, dann zäumen wir das Pferd deshalb nicht vom Schwanz her auf. Wir beginnen beim Kopf. In den Unternehmenskontext übersetzt heisst das: bei Führungsstrategien und Unternehmenskulturen. Anschliessend geht es um Prozesse, bevor das Wort Automatisierung überhaupt fällt. Das Implementieren von KI ist die leichteste Übung in dieser Kette. Das Resultat ist nachhaltig und dauerhaft, und es stellt so manches Unternehmen vom Kopf auf die Füsse.

Das ist meine Art zu arbeiten. Mir sind langfristige Lösungen wichtig, nicht das schnelle Geld. Mir sind langfristige Beziehungen wichtig, Beziehungen mit Lösungen, die auch dann noch funktionieren, wenn sich die Technik dahinter weiterentwickelt hat. Und dass sie sich weiterentwickelt, erleben wir mittlerweile beinahe im Wochenrhythmus.

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